Coronakrise

Läden in SBB-Bahnhöfen müssen abends wieder lange öffnen – obwohl noch immer viele Kunden fehlen

In den Bahnhöfen fehlen den Läden nach wie vor viele Kunden (im Bild: Bahnhof Genf-Cornavin).

Die SBB setzen ihre Mindestöffnungszeiten ab dem 10. August wieder durch. Dabei fehlen den Läden nach wie vor viele Kunden – und ein später Ladenschluss ist teuer. Alleine sind die SBB allerdings nicht.

Überfüllte Badis, Hunderte Wanderer am gleichen Bergsee und ausgebuchte Campingplätze: In der Schweiz ist es in Zeiten der Coronakrise eng geworden. Doch wer einen kühlen, einsamen Ort sucht, braucht nur sonntags einen Kleiderladen in einem Bahnhof zu besuchen. Das zeigt ein Augenschein. Den Läden in den Bahnhöfen fehlen nach wie vor Kunden. Viele schliessen deshalb früher oder öffnen beispielsweise am Sonntag nicht.

Damit ist nun Schluss. Ab dem 10. August müssen die Läden in den SBB-Bahnhöfen wieder die Mindestöffnungszeiten einhalten. Das bestätigt die Bahn auf Anfrage. In den grössten Bahnhöfen heisst das beispielsweise, dass Läden wochentags bis 21 Uhr und an Wochenenden bis 20 Uhr geöffnet sein müssen.

Lange Öffnungszeiten sind teuer

Dass Vermieter einheitliche Öffnungszeiten durchsetzen, ist üblich und wird etwa auch in Einkaufszentren so gehandhabt. Doch während diese nach der Aufhebung des Lockdowns gute Verkäufe und Besucherzahlen registrieren, sieht das Bild in den Bahnhöfen anders aus. Laut den aktuellsten Zahlen der SBB fehlt derzeit im Fernverkehr immer noch mehr als einer von drei Passagieren im Vergleich zum Vorjahr, im Regionalverkehr beträgt der Einbruch 25 Prozent.

Für viele kleinere Läden ist es ein Problem, dass sie die Öffnungszeiten bald nicht mehr frei gestalten dürfen. Sie berichten von weiterhin deutlich schlechteren Verkäufen. Gerade in den Randstunden sei häufig wenig los. Müssen sie wieder länger öffnen, kostet das, weil Personal beschäftigt werden muss. Öffentlich kritisieren wollen gerade kleine Läden die Vermieterin SBB nicht.

Valora «im Dialog» mit den SBB

Doch auch grosse Ketten zeigen keine Begeisterung für den Schritt. So heisst es etwa bei der Valora, die Kiosks, Lebensmittelläden und Take-Away-Stände in den Bahnhöfen betreibt, man stehe deswegen «im Dialog» mit den SBB. Derzeit haben immer noch 35 Prozent der Kioske, Avec-Shops und Filialen von Press & Books in den SBB-Bahnhöfen reduzierte Öffnungszeiten. Bei Brezelkönig, Caffe Spettacolo und SuperGuud beträgt der Anteil gar über 50 Prozent.

Vermieter müssten in Fällen, in denen die Frequenzen vor der Coronakrise nicht erreicht werden, nachsichtig sein, sagt Dagmar Jenni, die Geschäftsführerin der Swiss Retail Federation. «Wir haben Verständnis, wenn einheitliche Öffnungszeiten gelten sollen. Doch wenn die Auslastung nicht stimmt, ist es wichtig, dass die Läden flexibel bleiben können. Gerade in diesen schwierigen Zeiten ist die Unterstützung wichtig. Auch Mietzinsanpassungen müssen in solchen Fällen ein Thema sein.»

Ähnlich sagt es Andreas Zürcher, der Geschäftsführer der Zürcher City-Vereinigung, in der viele Mieter des Zürcher Hauptbahnhofs Mitglied sind. «Solange die Frequenzen infolge der Coronakrise deutlich tiefer als in den Vorjahren sind, macht es Sinn, dass die Mieter beispielsweise um 20 Uhr statt 21 Uhr schliessen dürfen.»

Bei den SBB heisst es, Geschäftsmieter könnten begründete Ausnahmegesuche stellen. Die Bahn habe ihre Mieter in der Krise seit Beginn unterstützt – etwa mit Mietzinsstundungen, dem Verzicht auf die Mindestöffnungszeiten oder der Streichung von Marketingbeiträgen.

Läden, die während des Lockdowns hätten schliessen müssen, schuldeten für diese Dauer keine Miete; vom Lockdown nicht betroffene Geschäfte erhielten Mietzinsreduktionen.

Deren Höhe sei vom Umsatzrückgang abhängig. Zudem trage die Bahn einen Teil des unternehmerischen Risikos, da die Mieten aus einem fixen und einem umsatzabhängigen Teil bestehen. In den vergangenen Jahren sind die Umsätze in den Bahnhöfen stetig gestiegen.

Alleine im Hauptbahnhof Zürich nahmen die Umsätze in den Läden innert vier Jahren um über 50 Millionen Franken zu, im Bahnhof Bern resultierte innert eines Jahres ein Plus von fast sechs Prozent. Mit den Mieteinnahmen finanziert die SBB unter anderem ihre Infrastruktur und Pensionskasse mit.

Mit der Durchsetzung der Mindestöffnungszeiten stehen die SBB nicht alleine da. Im Gegensatz zum Flughafen Zürich, wo der Passagiereinbruch noch deutlicher ist als an den Bahnhöfen, geht die Bahn sogar geradezu gemächlich vor. Dort müssen alle Läden seit Mitte Juni wieder die Öffnungszeiten von 8 bis 21 Uhr einhalten – ohne Ausnahme.

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