Wilhelm Tell

«Tells Apfelschuss» – eine Bildbetrachtung

Knapp 20 Jahre vor der Gründung des Schweizerischen Bundesstaates gemalt: «Tells Apfelschuss» vom Zürcher Maler Ludwig Vogel.

«Tells Apfelschuss» vom Zürcher Maler Ludwig Vogel wurde knapp 20 Jahre vor der Gründung des Schweizerischen Bundesstaates gemalt.

Das ist grosses Theater. Auf der Naturbühne stehen Gessler und Tell als Hauptfiguren. Rundum viel Volk. Doch mit wie vielen Andeutungen und Symbolen hat Ludwig Vogel (1788–1879), einer der bekanntesten Schweizer Historienmaler seiner Zeit, dieses Bild ausgestattet!

Und wie raffiniert und doch klar ist die Komposition. Gemalt hat Vogel «Tells Apfelschuss» 1829, 25 Jahre nach der Erstaufführung von Friedrichs Schillers einflussreichem Drama in Weimar.

Der vermeintliche Hauptakt, der Apfelschuss, ist glücklich erfolgt – nun folgt die entscheidende Szene. Tell: «Mit diesem zweiten Pfeil durchschoss ich – Euch, / Wenn ich mein liebes Kind getroffen hätte, /Und Eurer – wahrlich! hätt ich nicht gefehlt.»

Mit «furchtbarem Blick» sieht Tell den Landvogt an, bildlich verdeutlicht durch Arm und Pfeil – wie durch die Blicke das Volks und der Soldaten. Was nun? Wie reagiert der Vogt hoch zu Ross in seiner rot-provozierenden Pracht? Mit Angst. Er zuckt zurück, selbst sein Schimmel wendet den Kopf ab. Vogel teilt das Gemälde in Bös und Gut, in Grau und Grün.

Hinter Gessler erhebt sich dunkel der Zwing Uri, den das Volk in Fronarbeit, in obrigkeitlich verordneter Gratisarbeit, errichten muss – und unter ihm, seinen Hunden und Soldaten wächst kein Gras mehr. Innig wie ein Marienbild mit Schutzengel wirken Walterli und seine Mutter, der Tränen der Erleichterung über die rosa Wangen rollen.

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