Ramlinsburg

Der 1. August in Zeiten der Pandemie: Corona konnte sie nicht tilgen, die Nacht der Nächte

Schon im Mai sagte Basel die Bundesfeiern ab. Trotzdem war das Rheinufer am Vorabend zum 1. August fast so belebt wie in den Jahren zuvor. Auch die wenigen offiziellen Anlässe im Baselbiet waren gut besucht. Die bz war in Ramlinsburg dabei.

Nicht nur im Vorfeld des 1. August standen für die Ramlinsburger alle Zeichen auf Sturm. Kurz bevor der Turnvereinspräsident und Organisator Roland Lüthi am Samstag das Höhenfeuer zündete, zog auch noch ein Gewittertief übers Oberbaselbiet. «Hätte der Kanton die 200-Meter-Distanz zum Wald in dem Feuerverbot verringert, hätten wir alles abgesagt», sagt Lüthi gegenüber der bz. Trotz der coronabedingten Einführung einer 100-er Grenze, dem Anstieg der Fallzahlen und dem absoluten Feuerverbot, das der Kanton in der Nacht auf Samstag verhängte, hielten die Organisatoren an ihrer Bundesfeier fest.

Nasse Überraschungen erlebten die Rheinflaneure in Basel am Abend zuvor keine. Nahm man die untergehende Sonne zum Massstab, die den Rhein am Freitagabend in herrlich goldenes Licht tauchte, hätte der Rahmen für die Bundesfeier nicht schöner sein können. Die Sommergeniesser, die in die Stadt strömten, erwiesen dem abgesagten Basler Traditionsanlass auf ihre Weise die Ehre.

Vom St. Johanns-Park aus folgen wir wummernden Bassklängen auf die Dreirosenbrücke. Dort gibt Neu-DJ Lukas eine spontane Party – den Passanten gefällt’s. «Heute Abend ist alles erlaubt», meint er. Vorsichtshalber hat er an seinem Equipment Rollen befestigt, scherzt der Basler, der während des Lockdown mit dem Auflegen begonnen hat. «Das Bedürfnis, gemeinsam Musik zu geniessen, ist gross», sagt er.

100-er Grenze nicht geknackt, Kontrollen gibts aber ohnehin

Auch in Ramlinsburg, eine halbe Fahrstunde von Basel entfernt, lässt sich die Feierlaune schon vom Feldweg aus erahnen. «Eine Band hatten wir noch nie», sagt ein Ehepaar, das der Feier seit 20 Jahren beiwohnt – und sich auch von Corona nicht davon abhalten liess. «Wir sind ja schliesslich draussen», sagen die beiden.

Unter freiem Himmel wiegen sich am Abend des 31. Juli auch die Basler in Sicherheit. Allerdings lässt sich in Richtung Mittlere Brücke kaum mehr Abstand halten. Am Rheinbord sitzen Freunde zu Bier und Pizza oder einem Glas Wein zusammen. Etliche Rheinschwimmer sitzen in Badekleidern bei den Buvetten. «Es scheint der Abend der Abende zu sein», sagt eine Touristin, die vom Hafen in Richtung Stadt flaniert. Auch die Polizei war am Rheinbord stark präsent.

In Ramlinsburg blieb der befürchtete Ansturm von Auswärtigen aus, verrät uns Gemeindepräsidentin Stephanie Oetterli Lüthi. «Wir registrierten knapp 100 Gäste», sagt sie. Jeder kenne hier jeden, trotzdem habe man Eingangskontrollen durchgeführt. Zudem wurde jedem Gast ein Fläschchen Desinfektionsmittel abgegeben. Sie wisse von drei Familien mit Angehörigen der Risikogruppe, die der Feier ferngeblieben seien, sagt Oetterli Lüthi, die im Gemeinderat mit ihrem Entscheid, die Feier durchzuziehen, Rückendeckung genoss. «Wir sollten wann immer möglich an diesen Traditionen festhalten», sagt Lüthi.

Das grosse und gewohnte Feuerwerk fehlt

In Erinnerungen schwelgen auch drei betrübte, cocktailschlürfende Freundinnen am Rhein. «Das Feuerwerk fehlt, die Stimmung, die Stände, die Musik», resümieren die Baslerinnen. Plötzlich knallt es, der Nachthimmel leuchtet violett auf. «Danke dafür», sagen die jungen Frauen und prosten sich zu. Es kommt Bewegung auf.

Einige Passanten zücken euphorisch ihre Handys, versuchen das private Feuerwerk, das auf Höhe St. Johanns-Park gezündet wird, festzuhalten. «Sie sind alle auf der Suche nach etwas, was sie heute Abend wohl nicht finden», meint ein Neu-Basler, der nach dem Zuzug seine erste Bundesfeier am Rhein geniessen wollte. Derweil werden auf der Munimatt die Gäste fündig und geniessen den Bundesfeiertag in einfacher Atmosphäre. Auf dem Grill brutzeln bei Einbruch der Dunkelheit Würste. Drei Kinder halten Schweizerfähnchen in den Wind. «Sämtliche Coronaauflagen werden eingehalten – wir fühlen uns sicher», sagt eine fünffache Mutter.

Der Papa mit der selbstgebauten Raketen-Abschussrampe

Am Rhein mag die 1.-August-Stimmung trotz des Menschenaufkommens nicht so richtig aufkommen. Ein Junge im roten Oberteil zündet einen Knallfrosch. «Er trägt das Shirt heute allen Widrigkeiten zum Trotz», betont seine Mutter und schwärmt vom Feuerspektakel über dem Rhein, das in diesem denkwürdigen Sommer ersatzlos gestrichen wurde. «In diesen 15 Minuten hat stets ganz Basel gelächelt», sagt die Baslerin mit brasilianischen Wurzeln.

Pünktlich um halb zehn brennt in Ramlinsburg das Höhenfeuer unter vielen Ahs und Ohs der Menge. In einem abgesperrten Bereich brennt ein Vulkan, die Funken spiegeln sich in den Kinderaugen. Auch auf der Dreirosenbrücke zündet Matthias mit seinem Sohn auf der eigens gebauten Abschussrampe eine Rakete. Seine Frau applaudiert. «Wir machen das Beste daraus», sagt er. Kurz vor zehn schiessen die Raketen in Ramlinsburg in den Himmel. «Da haben die umliegenden Gemeinden auch noch etwas davon», sagt ein junger Ramlinsburger.

Wenig später bricht das Gewitter aus. Der starke Regen setzt den Feierlichkeiten ein frühes und nasses Ende. In Basel, in Ramlinsburg, aber auch überall sonst.

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