Ronja Jansen erscheint einige Minuten vor dem abgemachten Termin am Bahnhof in Liestal. Es ist noch früh, die letzte Nachricht hat sie am Vorabend um 1.36 Uhr beantwortet. Dennoch wirkt die Frenkendörferin wach und posiert professionell für den Fotografen. Innert fünf Minuten ist das Bild im Kasten. Auf dem Weg zur Redaktion gibts «noch ganz kurz eine Zigi», dann ist sie bereit für das Gespräch.

Der Anlass: Ronja Jansen kandidiert für das Präsidium der Juso Schweiz und will die Nachfolgerin von Tamara Funiciello werden.

Erst im April trat sie als Co-Präsidentin der Juso Baselland zurück. «Grundsätzlich reizt mich das Amt sehr. Ich werde in den nächsten Wochen das Gespräch suchen mit Menschen in meinem Umfeld und mich anschliessend entscheiden, ob ich kandidieren möchte», sagte sie damals über das Präsidium der Juso Schweiz. Nun ist der Entscheid gefällt.

Bei einer Wahl müsste das Studium warten

«Ich glaube, der Kampf für eine bessere Welt ist im Moment wichtiger denn je», erklärt Jansen. «Wir leben in einer Zeit, in der Menschen im Mittelmeer sterben und unsere Umwelt durch die drohende Klimakatastrophe zerstört wird», sagt sie. «Gleichzeitig werden die bestraft, die Menschen im Mittelmeer retten und die belohnt, die die Umwelt für private Profite ausbeuten.» Das sei nicht die einzige Möglichkeit, wie die Welt aussehen könne, so Jansen.

Momentan studiert Jansen Wirtschaft und Soziologie und arbeitet bei der «Gruppe für eine Schweiz ohne Armee». Würde sie Präsidentin der Juso Schweiz, würde sie beim Studium eine Pause einlegen, so Jansen. Für den Posten sei sie gut vorbereitet, sagt sie. In den letzten Jahren habe sie viel Erfahrung sammeln und sich die notwendigen Kompetenzen aneignen können. «Und ich mache das mit meinem ganzen Herzblut.»

In der SRF-Arena «zu brav» gewesen

Die 24-Jährige macht einem das Gespräch leicht. Erhält sie ein Stichwort, legt sie los – und redet mehrere Minuten darüber. Leidenschaftlich, ehrlich, frei. Sie nimmt einen Schluck ihres Kaffees, schwarz, und erzählt gleich weiter. «Ich debattiere eben gerne», sagt sie. So auch in der SRF-Arena, wo sie vergangenen Monat ihren drei männlichen Mitdebattierenden die Meinung sagte. Und nun findet, sie sei «zu brav» gewesen.

Männern ihre Meinung sagen musste auch Tamara Funiciello immer wieder. Ist Jansen auch auf den Sexismus, den ihre mögliche Vorgängerin oft ertragen musste, vorbereitet? «Das ist sicher eine der negativen Seiten», meint sie. «Aber das ist halt leider so, wenn man sich exponiert. Besonders, wenn man als junge Frau aus der Rolle ausbricht, die die Gesellschaft einem zugewiesen hat.» Sie bewundere Funiciello dafür, trotzdem immer die Linie der Juso beibehalten zu haben.

Ihre ganze Familie ist nun bei der SP

Dass Feminismus für Ronja Jansen eines der wichtigsten politischen Anliegen ist, ahnt man wegen des Frauenstreik-Buttons, der auch einen Monat nach dem Streik noch die Brusttasche ihrer Jacke ziert. Auch der Klimawandel und die faire Verteilung von Ressourcen liegen ihr am Herzen. «Allgemein ist es die Gerechtigkeit, die mich leitet», sagt sie.

Ihr Sinn für Gerechtigkeit war es denn auch, der sie in die Politik brachte. In einem politischen Haushalt aufgewachsen, habe sie sich zwar schon immer dafür interessiert, so Jansen. «Politisiert haben mich aber die ausländerfeindlichen Kampagnen der SVP und die Mindestlohninitiative», erzählt sie.

Nach der Ablehnung der Initiative sei sie «richtig hässig» gewesen. «Wir leben in einem der wohlhabendsten Ländern der Welt und es gibt tatsächlich Leute, die sagen, wir können uns keine fairen Löhne für alle leisten», ärgert sie sich.

Seit fünf Jahren ist Jansen nun bei der Juso Baselland, seit einigen Monaten in der Geschäftsleitung der Juso Schweiz. Das hat bereits direkte Auswirkungen – zumindest in ihrer Familie. «Nach meiner Mutter ist auch mein Vater der SP beigetreten. Meine beiden jüngeren Brüder sind nun beide in der Juso», erzählt sie. Einer von ihnen, Joel Jansen, ist sogar im Vorstand. «Das macht mich schon ein bisschen...», beginnt Ronja Jansen, bricht dann aber den Satz ab. Zum ersten Mal in diesem Gespräch korrigiert sie einen Satz. «Es ist ein schönes Gefühl», sagt sie und lächelt.