Würste und Lampions

Trotz Festausfall: So feiert Baden den 1. August während Corona

Wegen Corona gibt es in Baden keine offizielle 1.-August-Feier. Um den Einwohnern eine Freude zu bereiten, liess sich der Stadtrat eine Alternative einfallen. Das kam gut an.

Eigentlich sollten am 1. August Tische und Bänke in Badens Innenstadt stehen. Der Duft gebratener Würste läge in der Luft, Weingläser klirrten. Und Stadtammann Markus Schneider würde anwesende Gäste mit einem Händedruck begrüssen.

Doch Hände schüttelte Schneider an diesem Samstag keine. Wegen Corona wurde die alljährliche Feier abgesagt. Auch das Feuerwerk bleibt aus, um grosse Versammlungen zu verhindern. Ganz sang- und klanglos wollte der Stadtrat die Badener und Badenerinnen allerdings nicht Geburtstag feiern lassen: Auf dem Schlossbergplatz verteilten Matthias Gotter, Philippe Ramseier und Ammann Markus Schneider rohe Würste – für Fleischesser und Vegis – rote Lampions mit weissem Kreuz sowie einen Flyer mit dem Schweizerpsalm.

Eine Schlange bis zum Stadtturm bildete sich vor dem Stand, ehe der Stadtrat um 10 Uhr mit seiner Verteilaktion begann. «Auf den Glockenschlag legen wir los», sagt Schneider gutgelaunt. Er trägt Handschuhe, packt eine Wurst in die Tüte, lächelt. Zwei Männer lassen sich nicht lange bitten und stimmen die erste Strophe der Nationalhymne an. Den ausgehändigten Spickzettel brauchen sie dafür nicht.

«Für die Einwohner von Baden und der Schweiz wünsche ich mir heute, dass wir gemeinsam eine erneute Explosion der Fallzahlen verhindern können», sagt Schneider. Auch in seiner 1.-August-Rede, die der Ammann online veröffentlichte, spricht er über die Herausforderungen mit dem Coronavirus. «Mit grosser Freude sind wir in das Jahr 2020 gestartet, doch dann kam sehr schnell alles anders.»

Der Lockdown, der das öffentliche Leben praktisch zum Erliegen gebracht habe, die menschenleeren Gassen in einer sonst pulsierenden Stadt, seien erdrückend gewesen. «Doch es entstanden auch viele positive Bewegungen wie die Nachbarschaftshilfe», so Schneider. Wichtig sei nun, die Solidarität untereinander zu wahren.

Die 1.-August-Rede von Stadtammann Markus Schneider im Video:

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Schweizerpsalm stammt aus Wettingen

Zwei Badenerinnen haben sich an diesem Tag besonders in Schale geworfen und erscheinen im passend rot-weissen Tenue. Die Nationalhymne hätten sie bereits in der Kirche gesungen, sagen sie. Unweit von Baden, im Kloster Wettingen, wurde der Schweizerpsalm 1841 vom Zisterziensermönch Alberich Zwyssig komponiert. 

Von ennet der Hochbrücke kommt auch Luzi Stamm, um sich Wurst und Lampion zu holen. Der ehemalige SVP-Nationalrat findet die Idee des Stadtrates «super», wie er sagt. Den 1. August begeht er im engen Familienkreis, seine Frau sei zu Hause bereits mit den Vorbereitungen beschäftigt. 

Rund 1100 Würste verteilte der Stadtrat während zwei Stunden an die Einwohner. Ammann Schneider ist zufrieden: «Den Leuten schien es eine Freude zu bereiten. Schön, dass wir doch noch auf andere Art zusammenkommen konnten», sagt er, bevor er an sein eigenes Fest verschwindet. Auch Schneider feiert den 1. August zuhause mit der Familie – und einer Badener Wurst auf dem Grill.

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